Diese Frage bekomme ich häufiger als jede andere – meistens ein paar Tage vor der Feier und oft mit einem leicht panischen Unterton: „Wie viel Wein brauche ich denn jetzt eigentlich?" Die gute Nachricht: Das lässt sich ziemlich zuverlässig ausrechnen. Du brauchst dafür nur drei Angaben – wie viele Gäste kommen, wie lange gefeiert wird und was es zu essen gibt.
Die Faustformel in einem Satz
Zwei Gläser in der ersten Stunde, danach ein Glas pro Stunde – und rechne mit vier Gläsern pro Flasche.
Warum vier? Ein normal eingeschenktes Glas Wein sind etwa 0,2 Liter. Eine 0,75-Liter-Flasche ergibt damit knapp vier Gläser. Bei Sekt oder Aperitif schenkst du kleiner ein, rund 0,1 Liter – da kommst du auf sechs Gläser pro Flasche.
So rechnest du es durch
- Zähle die Gäste, die tatsächlich Wein trinken – Kinder, Autofahrer und alle, die lieber alkoholfrei bleiben, kommen in eine eigene Rechnung.
- Schätze die Dauer realistisch: von „Gläser in der Hand" bis „letzte Runde".
- Gläser pro Person = 2 + (Dauer in Stunden − 1).
- Gläser gesamt geteilt durch 4 = Flaschen. Aufrunden.
Ein Hinweis aus der Praxis: Bei Runden ab etwa 20 Personen darfst du rund 20 Prozent abziehen. In großen Gruppen trinkt längst nicht jeder im gleichen Tempo mit, und die Formel liefert eher die Obergrenze als den Durchschnitt.
Drei Beispiele
Grillabend, 8 Personen, 5 Stunden
Sechs von acht trinken Wein. 2 + 4 = 6 Gläser pro Person, macht 36 Gläser – also 9 Flaschen. Bei sommerlichem Grillen würde ich davon etwa fünf weiß oder rosé nehmen und vier rot.
Runder Geburtstag, 25 Gäste, 6 Stunden
18 Weintrinker, 2 + 5 = 7 Gläser pro Person, macht 126 Gläser. Minus 20 Prozent sind rund 100 Gläser, also 25 Flaschen. Dazu ein Glas Sekt zur Begrüßung für alle: 25 Gläser, das sind 4 Flaschen Sekt.
Hochzeit, 60 Gäste, langer Abend
Empfang mit anderthalb Gläsern Sekt pro Person: 90 Gläser, also 15 Flaschen Sekt. Danach 45 Weintrinker über sechs Stunden: 7 Gläser pro Person, minus 20 Prozent, macht rund 250 Gläser – also gut 60 Flaschen Wein. Bei einem Menü mit mehreren Gängen eher etwas mehr, bei Büfett und Tanzfläche eher etwas weniger.
Was die Menge nach oben oder unten schiebt
- Jahreszeit und Wetter: An einem warmen Sommerabend geht deutlich mehr Weißwein und Rosé weg als im Herbst – dafür langsamer und mit mehr Wasser dazwischen.
- Das Essen: Ein Menü über mehrere Gänge zieht Wein; bei Fingerfood und Snacks wird spürbar weniger getrunken.
- Die Uhrzeit: Eine Feier, die nachmittags startet, verbraucht pro Stunde weniger als eine, die um 19 Uhr beginnt.
- Andere Getränke: Wenn Bier gleichberechtigt danebensteht, kannst du den Weinbedarf etwa halbieren.
- Wer nach Hause fahren muss: Frag lieber vorher, wie viele mit dem Auto kommen. Das verschiebt die Rechnung oft stärker als alles andere.
Weiß, Rot oder Rosé – wie teile ich auf?
Als Ausgangspunkt: Im Sommer etwa die Hälfte Weißwein, ein Viertel Rosé, ein Viertel Rotwein. Im Winter drehst du das um. Ein Sekt oder Secco zur Begrüßung gehört fast immer dazu – der wird zuverlässig getrunken und bringt die Runde in Gang.
Und ein Rat, den ich immer wieder gebe: Nimm lieber zwei oder drei Weine in ausreichender Menge als sechs verschiedene in Mini-Mengen. Sonst ist der Liebling nach einer Stunde leer und der Rest bleibt stehen. Die Ausnahme ist die Weinprobe – da ist die Vielfalt ja genau der Punkt.
Alkoholfrei gehört fest in die Planung
Das ist mir wichtig, deshalb steht es hier und nicht irgendwo unten im Kleingedruckten: Plane für jeden, der keinen Alkohol trinkt, genauso viele Gläser ein wie für alle anderen. Niemand soll mit einem Glas Leitungswasser dastehen, während rundherum angestoßen wird.
Alkoholfreier Wein und Secco sind in den letzten Jahren richtig gut geworden – was da drin steckt und worauf du beim Kauf achten solltest, habe ich in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben.
Wasser nicht vergessen
Rechne mit einem halben bis einem Liter Wasser pro Person. Das klingt viel, ist es aber nicht – und es ist der einfachste Trick, damit deine Gäste den Abend gut überstehen.
Und wenn etwas übrig bleibt?
Genau deshalb rundest du großzügig auf. Ungeöffnete Flaschen halten sich problemlos bis zur nächsten Gelegenheit. Geöffnet bleibt Weißwein im Kühlschrank zwei bis drei Tage gut, Rotwein kühl gelagert drei bis vier, Sekt mit einem ordentlichen Verschluss ein bis zwei Tage. Eine Flasche zu viel ist ein Vorrat – eine Flasche zu wenig ist ein Problem, das sich am Samstagabend um 22 Uhr nicht mehr lösen lässt.
Kurz zusammengefasst
| Anlass | Weintrinker | Dauer | Flaschen Wein | Flaschen Sekt |
|---|---|---|---|---|
| Grillabend | 6 | 5 Std. | 9 | – |
| Geburtstag | 18 | 6 Std. | 25 | 4 |
| Hochzeit | 45 | ganzer Abend | 60 | 15 |
Lieber einmal kurz durchsprechen?
Wenn du unsicher bist, schreib mir einfach mit Anlass, Personenzahl, Uhrzeit und was es zu essen gibt. Ich rechne dir das durch und stelle dir eine passende Auswahl zusammen – inklusive alkoholfreier Alternativen. Für Weinproben und Weinwanderungen bin ich im ganzen Saarland unterwegs, und für die Flaschen zur Feier zu Hause sowieso.